Wagners ‚Die Meistersinger von Nürnberg‘ an der Metropolitan Opera New York am 13. Dezember 2014

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Gestern wurde die Matinee der Metropolitan Opera New York weltweit in die Kinos übertragen. Das gezeigte Werk: Wagners ‚Die Meistersinger von Nürnberg‘. Geschätzt 3.000.000 Menschen sahen diese 1992 im Jahr ihrer Premiere bereits antiquierte und verharmlosende Inszenierung von Otto Schenk. Nun ist die Met nicht bekannt für avantgardistische Inszenierungen, warum sollte sie das auch sein, aber ein Werk wie ‚Meistersinger‘ mit seinen äusserst bedenklichen Aussagen, seiner dargestellten Sicht auf Frauen und seiner Verharmlosung von Gewalt, körperlicher Züchtigung und Demütigung von abhängigen Menschen einfach so unkommentiert, also bestätigend, darzustellen ist vor einem Millionen Publikum ein äusserst fragwürdiges Unterfangen.

Vor einigen Wochen wurde John Adams Oper ‚The Death of Klinghoffer‘, wegen unterstellten antisemtischen Tendenzen von der Liste der in die Kinos übertragenen Vorstellungen gestrichen und mit Rossinis ‚Barbiere‘ ersetzt – wieso wurden dann nicht auch die ‚Meistersinger‘ zumindest in einer kritischen und Stellung beziehenden Inszenierung gesendet?

In dieser Komödie wird eifrig gemoppt (vor allem der Lehrbursche David), werden Untergebene von dem „erhabenen“ Hans Sachs immer wieder körperlich brutal gezüchtigt, Töchter unter dem Jubel der ganzen Stadt von dem „edlen“ Veit Pogner zwangsverheiratet – und wird Frauen generell jegliche Meinungsäusserung untersagt: ‚Eva:“Ein folgsam Kind, gefragt nur spricht’s.“ Pogner „(sehr zart): Wie klug! – Wie gut!“‚ – Von Wagners menschlich kleinkarierter Darstellung eines ihm vermeintlich nicht wohlgesonnenen Kritikers (Eduard Hanslick) als vom Volk verhöhnten, sozial ausgegrenzten und am Ende des Stückes, wenn die gesamte Stadt sich feiert als Einzige, nicht mehr in Erscheinung tretenden Sixtus Beckmesser ganz zu schweigen. Ein Schelm, der einen Zusammenhnag sieht zwischen Wagners massiven Antisemitismus und Eduard Hanslicks jüdischer Mutter.

Selbstverständlich gehören die ‚Meistersinger von Nürnberg‘ auf die Opernbühnen der Welt, dafür ist die Musik viel zu bedeutend, als das sie nicht mehr gespielt werden soll – aber in der heutigen Zeit finde ich es erschreckend, wenn ein Stück mit deutlich antisemitischen, frauenfeindlichen und Gewalt verherrlichenden Aussagen kommentarlos und undifferenziert über die Bühne gebracht wird. Eines der vielen guten Beispiele mit einem solch problematischen Werk umzugehen ist die Inszenierug von Peter Konwitschny, der in seiner Darstellung in kluger Weise der Deutschtümmelei des Werkes die Speerspitze brach, in dem er die bedrohliche Entfremdung der staatstragenden Elite von dem Volk thematisierte.

Eine verpasste Gelegenheit vor allem mit Sängerdarstellern wie Michael Volle als Hans Sachs, Johannes Martin Kränzle als Sixtus Beckmesser, Hans-Peter König als Pogner und Annette Dasch als Eva. Johan Botha stand als Stolzing und sang ebenso schön, wie er das auch als Siegmund oder Otello macht – mit der Darstellung einer Rolle hat das nicht viel zu tun. James Levine saß am Pult.

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